Lies nach bei Paulus
Lies nach bei Paulus
Dr. Clemens Hutter im Rupertusblatt
An den Berichten des "Rupertusblattes" über die von den Missbrauchsskandalen samt Vertuschung ausgelöste Austrittslawine stört mich lediglich die Bemerkung Herrn Adalbert Stifters, dass dazu auch "einseitige Berichterstattung" beigetragen habe. Ganz naiv gefragt: Warum brauchte der Papst ein Dreivierteljahr, um sich dafür formgerecht zu entschuldigen? Sind also "Rätselraten" über und Kritik an dieser sonderbaren Taktik "einseitig"?
Ein Motiv für Austritte war auch der schrumpfende Nachwuschs an (zunehmend überforderten) Seelsorgern, weshalb viele Gemeinden nur mehr einen Viertel-Pfarrer haben. Das hängt wiederum mit dem anscheinend unlösbaren Problem des im Mittelalter verordneten Zölibats zusammen. Einen klassischen Satz des sonst so viel zitierten Apostels Paulus dazu (und zu einer Ursache der Missbrauchsskandale) hört man aber nie: Gemeindevorsteher (=Priester) sollten gut verheiratet sein, damit sie nicht Versuchungen erliegen.
Die Salzburger Kirche kann natürlich nicht die anstehenden (Reiz)-Themen von Zölibat über Einstellung verheirateter Priester bis zu Frauenordination erledigen. Eine Bemerkung Kardinal Schönborns dazu ließe sich salopp so formulieren: Das Schwänzchen Österreich kann den Vatikan nicht wedeln. Deshalb ist der Salzburger Klerus dafür zu bewundern und zu bedauern, dass er für die Haltung des Vatikans bezahlen muss.
Für mich lautet die Konsequenz daraus: Innerkirchlich auftreten statt austreten, weil für mich die Idee des Christentums so großartig ist, dass ich die vatikanische Amtskirche immer noch in Kauf nehme.